
Der Impuls, in Degerfelden im Jahre 1925 einen Musikverein zu gründen, kam von engagierten Degerfelder Bürgern, die aus anderen Gemeinden hierhergezogen waren oder schon in einem Verein in einer anderen Gemeinde musizierten. Ihnen gelang es, musikfreudige junge Männer zu begeistern und gemeinsam mit diesen den Musikverein zu gründen.
Unter ihnen auch der junge August Hohler, der in der Gründungsversammlung zum ersten Vorstand gewählt wurde und den jungen Verein mit mehreren Unterbrechungen über 30 Jahre leitete. Er wurde später auch Bürgermeister der Gemeinde Degerfelden. Als erster Dirigent bot sich Karl Bernhard an, der im Musikverein Nollingen schon aktiv musizierte.

Die Gründungsversammlung fand am 21. Juni 1925 im Gasthaus Adler statt. 31 Männer nahmen daran teil, 16 junge Männer davon bildeten das erste Orchester. Der Dirigent Karl Bernhard verpflichtete sich, das erste Jahr den Verein unentgeltlich zu dirigieren. Jedes aktive Mitglied bezahlte 80 Pfennig, jedes passive Mitglied 50 Pfennig Beitrag pro Monat. Von der Stadtmusik Rheinfelden wurden gebrauchte Instrumente gekauft.
Das erste Weihnachtskonzert nach der Gründung fand am 26. Dezember 1925 in Degerfelden im kleinen Saal des Gasthauses Adler, dem Vereinslokal, statt. 21 aktive Musiker und der Dirigent eröffneten das Konzert mit dem „Schwalben-Marsch“, drei weitere Konzertstücke und ein Schlussmarsch bildeten das ganze Konzert.
Es folgten schwierige Jahre. Die wirtschaftliche Not zum einen, die musikalische Seite zum anderen, waren problematisch, denn oftmals musste der Dirigent die einzelnen Musiker mit Mühe in die Proben holen. Schichtarbeit und die viele Arbeit in der Landwirtschaft waren oft wichtiger, als in den Proben anwesend zu sein. Um die Programme an den Konzerten besser gestalten zu können und mehr Zuhörer zu gewinnen, wurde in dieser Zeit das Theaterspiel aufgenommen. Der Aktive Josef Fuchs führte für viele Jahre die Regie.
1928 übernahm Emil Brunner die musikalische Leitung des Vereins. Er wurde die treibende Kraft im Verein und es gelang ihm, einen homogenen Klangkörper heranzubilden. Viel Probenarbeit war dazu nötig.
Ein großer Höhepunkt in der noch jungen Vereinsgeschichte stellte das Jahr 1935 dar, denn die erste Uniform konnte angeschafft werden. Jeder aktive Musiker musste 15 Mark Eigenanteil bezahlen.

Der Beginn der NS-Diktatur ab 1938 brachte auch für den Musikverein Degerfelden eine große Zäsur. Bis 1942 wurden 21 Mitglieder zu den Waffen gerufen und eingezogen. Viele kehrten nicht mehr heim.
Die Aufbauarbeit nach dem Krieg war zäh und schwierig. Aktive Musiker fehlten und die Instrumente waren teilweise reparaturbedürftig. Der Dirigent Emil Brunner, unterstützt durch Anton Gutmann, arbeitete mit den Musikern aber unverdrossen am Wiederaufbau.
Anton Gutmann, der schon zuvor privat einige Jugendliche unterrichtet hatte, führte diese ins Aktivorchester ein, sodass regelmäßige Proben und erste Veranstaltungen durchgeführt werden konnten. Dem Protokoll der ersten Jahreshauptversammlung nach dem Krieg ist zu entnehmen, dass bereits 63 Proben und 14 Veranstaltungen absolviert wurden. Damit war der Musikverein wieder Mittelpunkt des kulturellen Geschehens im Dorf. Die damalige Militärregierung verlangte, dass alle Uniformen vorgeführt werden mussten, um sicher zu stellen, dass keine NS-Symbole an den Uniformen getragen wurden.
Die in den Folgejahren einsetzenden guten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse erlaubten auch dem Musikverein einen raschen Aufschwung. So konnte 1950 das 25-jährige Jubiläum gefeiert werden. Gerade auch die Kontinuität in der musikalischen Leitung durch Emil Brunner und dem Vorsitzenden August Hohler ist dieser Aufschwung mit zu verdanken.
Im Jahre 1957 tritt Emil Brunner nach 30 Jahren als Dirigent zurück und wird zum Dank für seine großen Verdienste um den Musikverein zum Ehrenmitglied ernannt. Sein Nachfolger wird der junge und agile Kurt Gutmann, dem es gelang, dem Verein neue musikalische Impulse zu verleihen. Dies zeigte sich 1958, als der Musikverein am Bundesmusikfest in Karlsruhe an einem Wertungsspiel teilnahm. Das Pflichtstück und das Selbstwahlstück wurden von der Jury mit dem Prädikat „Vorzüglich“ bewertet.
Nach über 30 Jahren als Vorsitzender übergab August Hohler 1960 sein Vorstandsamt an Edwin Brodbeck, der damit seine Nachfolge antrat. In diesem Jahr wurde erstmals in der Vereinsgeschichte das Bezirksmusikfest des Bezirks 1 des Alemannischen Musikverbandes ausgerichtet.
Anlässlich der Jahreshauptversammlung 1965 wählte die Versammlung Norbert Häßler zum neuen ersten Vorsitzenden, da Edwin Brodbeck nicht mehr antrat. Gleichzeitig beschloss die Versammlung zum diesjährigen Jubiläum eine neue Uniform anzuschaffen. Im Sommer 1965 feierte der Musikverein groß sein 40-jähriges Jubiläum wiederum mit einem Bezirksmusikfest – einer großen musikalischen Veranstaltung, die mit enormem Aufwand und Einsatz erfolgreich durchgeführt wurde. Im November 1965 wurde die neue Uniform voller Stolz mit einem Festkonzert eingeweiht.

In den folgenden Jahren verwendete die Vorstandschaft viel Zeit und Energie um eine völlig neue, zeitgemäße Satzung zu erarbeiten. Der Verein wurde in das Vereinsregister beim Amtsgericht Lörrach eingetragen.
Eine für die Zukunft sehr wichtige Entscheidung fiel 1967: die Gründung einer Jugendkapelle. Die Idee hatte der Dirigent Kurt Gutmann und setzte diese mit der Unterstützung des Vorstands in die Tat um. Er und Edmund Spitz waren die musikalischen Leiter der Kapelle. 1969 beteiligten sich die 16 Mitglieder der Jugendkapelle am Bundesjugendtreffen in Staufen und wenig später auch am Verbandsjugendfest in Brombach, jeweils mit großem Erfolg.
Alle Mitglieder wurden 1972 komplett in das Aktivorchester übernommen – die Jugendkapelle existierte nicht mehr.
Bereits nach fünf Jahren im Amt trat Nobert Häßler bei der Generalversammlung 1970 zusammen mit seinem Stellvertreter Gustav Sütterlin zurück.

Da kein Nachfolger bereitstand, und sich zunächst niemand fand, dieses Amt zu übernehmen, drohte die Versammlung zu scheitern. Schließlich sprang Rudolf Grether ein und übernahm zur allgemeinen Erleichterung das Amt des ersten Vorsitzenden, welches er bis Ende 1982 innehatte. 1971 übergab der Dirigent Kurt Gutmann sein Amt an Edmund Spitz, der den Verein die nächsten Jahre musikalisch leitete.
Nach dem Neubau der Grundschule und dem Bau einer Turn- und Festhalle ergaben sich für den Musikverein völlig neue Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Sehr zur Freude der Bevölkerung und den Mitgliedern des Musikvereins. Gleichzeitig erhielt der Verein von der Gemeinde einen eigenen Proberaum. Dieser musste zwar mit selbstgeschlagenem Holz im Winterhalbjahr beheizt werden, bedeutete aber einen wichtigen Schritt für die musikalische Entwicklung.
Mit einem Fest wurde 1975 das 50-jährige Jubiläum in einem Festzelt auf der grünen Wiese gefeiert. Unter der Mitwirkung vieler Vereine konnten drei großartige Tage in Degerfelden erlebt werden. Darunter auch die Musikgesellschaft Tegerfelden aus der Schweiz, die einen fulminanten musikalischen Samstagabend bot.
Einen weiteren schmerzhaften Einschnitt bedeutete der plötzliche Rücktritt des Dirigenten Edmund Spitz 1975. Der Verein hatte daraufhin über einige Zeit keinen Dirigenten, bis sich nach langer Suche Werner Scheuzger aus Hauingen 1976 bereit erklärte, die musikalische Leitung zu übernehmen. Das Orchester bereitete sich intensiv und in kurzer Zeit auf das Dorfjubiläum „700 Jahre Degerfelden“ vor, welches im August 1978 groß gefeiert wurde.

1977 konnte Rudolf Grether endlich seinen langgehegten Wunsch, wieder ein Jugendorchester zu gründen, mit tatkräftiger Hilfe des Dirigenten Werner Scheuzger, in die Tat umsetzen. Dirigent des Jugendensembles wurde Adolf Amrein.
In der Generalversammlung 1983 trat Rudolf Grether nicht mehr an. Als Nachfolger im Amt des ersten Vorsitzenden wurde von der Versammlung der 24-jährige Dietmar Häßler gewählt und damit ein Generationenwechsel in der Leitung des Musikvereins eingeläutet.
Im gleichen Jahr fand das erste Bachfest des Musikvereins Degerfelden auf dem Dorfplatz statt. Dieses Fest, welches seither alle zwei Jahre im Herzen des Dorfes stattfindet, hat sich seinen Charme bis heute bewahren können und zieht immer wieder viele Gäste nach Degerfelden. Gleichzeitig ist dieses Fest, das immer mit viel Arbeitseinsatz der Aktiven verbunden ist, auch eine wichtige finanzielle Stütze des Vereins.
Aus Altersgründen und wegen Krankheit legte Werner Scheuzger im Sommer 1983 den Taktstock vorzeitig nieder. Zur Überbrückung sprang der Dirigent des Musikvereins Langenau, Walter Greiner, für den Rest des Jahres ein und leitete auch im Dezember das Jahreskonzert.
Der Rheinfelder Dirigent und Musiker Willy Meier übernahm ab Januar 1984 den Taktstock und führte den Verein musikalisch erfolgreich weiter.
Diese gute Entwicklung wurde im Juni 1984 unter Beweis gestellt, als am Kantonalen Musikfest des Aargauischen Musikverbandes in Tegerfelden sowohl am Wertungsspiel wie auch am Marschmusikwettbewerb sehr erfolgreich teilgenommen wurde. Diese Tage in der Schweiz trugen auch sehr zur guten Kameradschaft im Verein und zur Vertiefung der Freundschaft mit den Schweizer Musikanten bei.
Die Fasnacht hat im Musikverein Degerfelden immer eine wichtige Rolle im Jahresablauf gespielt. An vielen Umzügen – im Dorf, in der Stadt Rheinfelden, in Lörrach und sogar in Mulhouse im Elsass – wurde regelmäßig teilgenommen. Die bis dahin im Dorf durchgeführten Veranstaltungen an Fasnacht verloren jedoch mehr und mehr an Interesse und Besuchern. So entstand die Idee, eine vollkommen andere und neue Veranstaltung ins Leben zu rufen. 1985 startete zum ersten Mal das „Waidbachg‘flüschder“ des Musikvereins und des Gesangvereins. Bis heute ist diese sehr beliebte Veranstaltung ein fester Termin im Jahreskalender des Vereins und immer sehr gut besucht. Veranstalter ist mittlerweile nur noch der Musikverein.
Das 60-jährige Jubiläum feierte der Verein mit vielen Gästen und dem Bezirksmusikfest vom 13. bis 15. Juli 1985 in einem Festzelt.
Der nächste Wechsel an der Spitze des Vereins erfolgte zur Generalversammlung 1993. Der bisherige Vorsitzende Dietmar Häßler legte sein Amt nach zehn Jahren nieder. Auf ihn folgte in geheimer Wahl sein Bruder Peter Häßler.
Der Jahreswechsel 1996 zu 1997 war überschattet von der plötzlichen, schweren Erkrankung des Dirigenten Willy Meier.
Das geplante Konzert am 4. Januar 1997 wurde daraufhin vom Vizedirigenten Patrick Müller geleitet. Kurz darauf starb Willy Meier. Als Nachfolger konnte der Berufsmusiker, Cellist und Musiklehrer Sergiu Grigorescu verpflichtet werden, der im Februar 1997 die musikalische Leitung übernahm und im Mai 1997 mit einem fulminanten Konzert seine Visitenkarte abgab. Die aktiven Musikerinnen und Musiker und alle Gäste waren von diesem Konzert restlos begeistert.
Im Jahr 1997 begannen die umfangreichen Vorbereitungen auf das 75-jährige Jubiläum im Jahre 2000. Es wurde entschieden, die Uniform durch eine neue Einheitskleidung mit petrolblauem Sakko und schwarzer Hose zu ersetzen. Diese wurde im Jahr 1998 im Rahmen eines Festkonzertes vorgestellt. Dank der sehr hohen Spendenfreudigkeit der Mitglieder und der Einwohner von Degerfelden und Umgebung, konnte deutlich mehr als die Hälfte der Kosten dieser Kleidung durch Spenden gedeckt werden.
Das alle zwei Jahre stattfindende Bachfest wartete 1999 mit einer besonderen Überraschung auf. Der Blasmusikverein Texas aus Plano/Texas (USA) war zu Gast. Die Texaner gaben auf unserer Bühne über dem Dorfbach ein Konzert vor unzähligen Besuchern auf dem Dorfplatz. Viele Neugierige ließen es sich nicht nehmen, dies mitzuerleben – inklusive deutscher und amerikanischer Nationalhymne.
Auch musikalisch machte der Verein unter Sergiu Grigorescu weitere Fortschritte. Dies wurde mit der Teilnahme 1999 am Kritikspiel des Kantonalen Musikfestes im Schweizerischen Tegerfelden mit hervorragender Wertung bestätigt.
Im Jahr 2000 zum Jahrtausendwechsel stand das 75-jährige Jubiläum des Musikvereins im Mittelpunkt aller Anstrengungen. Vom 30. Juni bis zum 3. Juli wurde vier Tage lang im Festzelt auf der Wiese neben der Fridolinschule gefeiert. An diesem Fest fand das erste Rheinfelder Blasmusiktreffen statt, an dem alle acht Musikvereine der Stadt Rheinfelden mit einem Sternmarsch und anschließendem Nonstop-Konzertprogramm im Festzelt teilnahmen. Eine bis heute einmalige Veranstaltung. Mit diesem sehr erfolgreichen Fest ist der Musikverein gut in das neue Jahrtausend gestartet.
Auch im Jahr 2006 nahm der Musikverein unter Leitung von Dirigent Sergiu Grigorescu an einem Wertungsspiel in Villingen-Schwenningen teil. Die Vortragsstücke entsprachen der Kategorie „Oberstufe“. Die erhaltene Wertung „mit gutem Erfolg“ zeigte die stete musikalische Entwicklung.
Um Kinder und Jugendliche für das Erlernen eines Blasmusikinstrumentes zu begeistern, führte der Musikverein 2008 das Kinder Mit-Mach-Musical „Wakatanka“ auf. Dies geschah in Kooperation mit der Fridolinschule Degerfelden, dem Schulchor und den Eltern der Schulkinder. Ein besonderes musikalisches Ereignis, wodurch der Verein einige Kinder als Musikschüler und Eltern als Passivmitglieder gewann und von allen Seiten sehr gelobt wurde.
Die musikalische Zusammenarbeit mit dem Dirigenten Sergiu Grigorescu entsprach nach 13 Jahren leider nicht mehr den mehrheitlichen Wünschen der aktiven Musikerinnen und Musiker. Aufgrund dieser Differenzen entschieden sich die Vorstandschaft und der Dirigent zu Beginn des Jahres 2009 die Zusammenarbeit mit einem Abschlusskonzert am 20. Juni 2009 zu beenden.
Nach intensiver Suche und Probedirigaten verschiedener Kandidaten, entschieden sich die aktiven Musikerinnen und Musiker für den jungen Dirigenten Gordon Hein. Er übernahm die musikalische Leitung nach den Sommerferien 2009 und dirigiert den Musikverein bis heute. Die musikalische Leitung der Jugendkapelle übernahm zur gleichen Zeit Frank Schlesselmann aus dem Aktivkader des Musikvereins Degerfelden. Beide Dirigenten feierten mit dem Jahreskonzert am 26.12.2009 einen sehr gelungenen Einstand.
Mit den beiden jungen Dirigenten sowohl im Aktiv- wie auch im Jugendorchester, steigerte sich die musikalische Qualität und die Spielfreude in beiden Orchestern deutlich. Mit der Teilnahme am Wertungsspiel des Markgräfler Musikverbandes im Mai 2012 in Tunsel erreichten die Aktiven unter der Leitung von Gordon Hein sagenhafte 91,67 von 100 möglichen Punkten in der Oberstufe und die Wertung mit „hervorragendem Erfolg“ teilgenommen. Noch nie hatte der Musikverein eine solch hervorragende Bewertung erhalten.
Dies zeigte eindrücklich, welche großen musikalischen Fortschritte unter der Leitung von Gordon Hein erzielt worden sind.
Um die musikalische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen im Verein weiter zu fördern, wurde ein neues Ausbildungskonzept erstellt. Die Umsetzung erfolgte mit der Gründung des Kinderorchesters und einer Flötengruppe, um die frühkindliche musikalische Ausbildung zu fördern. In Rahmen des Konzepts wurden auch neue Kommunikationsmittel entwickelt, u.a. die „Ausbildungstreppe“ von der Flötengruppe bis zum Aktivorchester. Diese stellt die musikalische Entwicklung der Kinder übersichtlich dar und gibt den Eltern einen Plan für die Ausbildung an die Hand.
Nach 21 Jahren als erster Vorsitzender übergab Peter Häßler in der Generalversammlung im Frühjahr 2014 den Vorsitz an Christian Häßler, der – einstimmig gewählt – den Verein bis heute leitet. Für seine langjährigen Verdienste wurde Peter Häßler zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Auch organisatorisch wurde in dieser Zeit viel Neues ausgearbeitet und eingeführt. So eine Neufassung der Satzung, die 2010 einstimmig angenommen wurde. Um auch das finanzielle Standbein des Musikvereins für die Zukunft zu stärken, wurden bereits 1995 der „Förderverein Musikverein Degerfelden e.V.“ und 2015 der „Verein Musik und Kultur e.V.“ gegründet und mit Leben erfüllt. Damit konnten auch größere Veranstaltungen, steuerlich und rechtlich sicher, durchgeführt werden.
Dirigent Gordon Hein war und ist immer auf der Suche nach neuen musikalischen Formaten und Herausforderungen für sich und das Orchester. So entstand 2015 die Idee eine „Musical Night“ im Bürgersaal Rheinfelden aufzuführen und dies an zwei aufeinanderfolgenden Abenden. Mit ihm erarbeitete das dafür eingerichtete Organisationskomitee ein Konzept für Orchester, Chor, Band und Solisten, Dekoration und Catering. Die „Musical Night“ fand am 29. und 30. April 2016 im ausverkauften Bürgersaal vor über 1000 begeisterten Besuchern unter großem Jubel statt.
Dieses grandiose Erlebnis war auch für alle Mitwirkenden eine tolle Sache und weckte die Lust auf mehr. So entschied sich der Musikverein im Mai 2018 die „Musical Night 2“ – erneut im Bürgersaal Rheinfelden – folgen zu lassen. Diesmal allerdings mit Hauptprobe und drei aufeinanderfolgenden Abenden. Eine sehr große Herausforderung für das gesamte Orchester, den Chor, die Combo, die Solisten und den Dirigenten. Alle drei Abende waren wiederum ausverkauft und über 1700 restlos begeisterte Besucherinnen und Besucher konnten in bekannten Musicalmelodien schwelgen. Das Lob der Anwesenden, aber auch in der Presse, war gewaltig und hat alle für die doch sehr großen Anstrengungen belohnt.
Da der Probenraum für die Vorbereitung dieser Großveranstaltungen viel zu klein war, konnte der Gemeindesaal der katholischen Pfarrgemeinde Herten-Degerfelden benutzt werden. Um sich für dieses Entgegenkommen und diese Unterstützung zu bedanken, startete das nächste musikalische Projekt in Form eines Benefizkonzerts für Cello und Blasorchester. Mit der jungen, aber schon sehr bekannten Cellistin Cécile Grüebler aus der Schweiz, konnte eine hervorragende Solistin gewonnen werden, die schon Auftritte weltweit hatte. An zwei Tagen wurde das Konzert in der katholischen Kirche St. Urban in Herten und in St. Josef in Rheinfelden aufgeführt. Der Eintritt zu den Konzerten war frei. Der große Erlös aus den jeweils durchgeführten Kollekten konnte dem Partnerschaftsverein Bénali-Herten/Degerfelden e.V. übergeben werden. Der Erfolg dieses Kirchenkonzertes am 4. und 5. Mai 2019 war wiederum ein Beweis für die musikalische Entwicklung des Musikvereins unter dem Dirigat von Gordon Hein.
Alle Pläne für das Jahr 2020 wurden durch die auftretende Corona-Krise zu Beginn jenes Jahres zunichte gemacht. Der plötzliche Lockdown führte zum Stillstand aller Aktivitäten der Vereine und des gesellschaftlichen Lebens. Keine gemeinsamen Proben, keine Treffen, keine Auftritte konnten und durften mehr stattfinden. Läden, Restaurants, Probenräume und vieles mehr wurde geschlossen. Kontakt konnte nur über das Telefon und in Videokonferenzen hergestellt werden. Um dennoch miteinander in Kontakt zu bleiben, wurden im Musikverein kleine Proben per Videoschaltung durchgeführt, an denen sich jeder beteiligen konnte. Dies war wichtig, um miteinander wenigstens etwas Gemeinsames zu tun.
Im Jahre 2021 konnten Proben nur stattfinden, wenn die von der Regierung erlassenen Corona-Richtlinien eingehalten werden. Diese besagten unter anderem, dass der Abstand zwischen den Stühlen jedes Musikers in jede Richtung mindestens zwei Meter betragen und bis zur Einnahme des Sitzplatzes eine Mund- und Nasenmaske getragen werden muss. Weiter wurde verlangt, dass der Dirigent zu den Musikerinnen der ersten Reihe einen Abstand von mindestens fünf Meter einhalten muss. Sofort nach Ende der Proben, vor dem Aufstehen, mussten die Masken wieder angelegt und durften erst nach dem Verlassen des Gebäudes wieder abgelegt werden.
Eine Probe wie bisher, weder im Proberaum noch im Gemeindesaal, war deshalb schlicht undenkbar und verboten. Nach einiger Suche und zahlreichen Gesprächen gelang es der Vorstandschaft, eine riesige, leere Industriehalle in Wyhlen zu finden. Diese wurde dem Musikverein vom Inhaber der Immobilie, der Firma Würzburger, zu Probezwecken unentgeltlich überlassen. Hier konnte nun, unter Einhaltung aller zuvor genannten Einschränkungen, geprobt werden. Dies war für alle Beteiligten zwar logistisch sehr aufwändig, jedoch war es für den Verein die einzige Möglichkeit den Musikbetrieb aufrecht zu halten. Viele andere Vereine hatten die Proben seit Beginn der Pandemie bis auf Weiteres komplett eingestellt.
„Sich nicht unterkriegen lassen“ war das Motto während der Pandemie – eine wichtige und richtige Haltung. Deshalb organisierten verschiedene aktive Musiker des Musikvereins Degerfelden ein Freiluft-Konzert mit den befreundeten Vereinen aus Herten und Adelhausen. Unter dem Titel „Blasmusikherbst Rheinfelden 2020“ wurde am 18.10.2020 auf dem Tutti-Kiesi-Areal ein Open-Air-Konzert veranstaltet. Alles spielte sich gemäß den Pandemie-Richtlinien im Freien ab. Die Vereine spielten im Abstand von zwei Stunden hintereinander, um zum Wechsel alle Stühle zu reinigen und zu desinfizieren. Die Zuhörer hatten so etwas noch nicht erlebt und waren sehr dankbar, dass in jener Zeit eine derartige musikalische Darbietung möglich gemacht wurde.
Zur Mitte des Jahres 2021 keimte dann der Gedanke auf, in dieser riesigen Halle in Wyhlen im Dezember 2021 das Jahreskonzert an zwei Abenden aufzuführen. Zuerst erschien die Idee sehr verwegen, da die vielen Vorschriften und Hürden, die an ein solches Vorhaben mit Besuchern gestellt wurden, unüberwindlich schienen. Vieles war auch von den Behörden abhängig, denn alles musste genehmigt werden. Überdies war ein schlüssiges Konzept einzureichen, wie die Kontrolle der Musikerinnen, Musiker, Zuhörerinnen, Zuhörer und weiteren Aktiven erfolgen sollte. Dies war bei jedem Einzelnen notwendig, um festzustellen, dass jeder innerhalb eines Tages getestet und frei vom Virus war.
Die Besucherströme vom Eingang bis zum jeweiligen Platz und wieder zum Ausgang, die Wege zu den Toiletten und den Testständen, auch für die aktiven Musikerinnen und Musiker, mussten grafisch aufbereitet und als Konzept eingereicht werden. Der Wille, diese beiden Konzerte durchzuführen, war bei allen Aktiven des Musikvereins jedoch so groß, dass dieses Vorhaben angegangen wurde. Zwei Konzerte, da aufgrund der Vorschriften nur eine begrenzte Anzahl an Besucherinnen und Besucher eingelassen werden durfte.
Am 3.12.2021 waren alle Vorbereitungen abgeschlossen, alle Vorgaben umgesetzt, auch die finale Genehmigung der Behörde traf an diesem Tag endlich ein. So konnte am 4. und 5. Dezember tatsächlich das Jahreskonzert 2021 in einer großen Industriehalle stattfinden – mit Konzertstücken, die der Dirigent Gordon Hein extra für diese Location ausgesucht hatte.
Alle hofften, dass diese Konzerte, so einmalig sie waren, auch einmalig bleiben sollten und wieder bald zur Normalität zurückgekehrt werden könne. Tatsächlich konnte die Pandemie eingedämmt werden, die überall verhängten Lockdowns wurden schrittweise aufgehoben, und das Leben konnte wieder seinen gewohnten Gang nehmen.
Der Dirigent des Musikvereins hatte seit längerem fleißig Ideen für ein neues Großevent gesammelt. Mit dem Orga-Team, dem Orchester und Solisten sollte es jetzt umgesetzt werden. Nein, keine Musical Night, sondern Musik von Queen, Phil Collins und Tina Turner sollte es sein. Somit war der Titel „Symphonic ROCK“ geboren und wurde vom 24. bis 26. Juni 2022 im wiederum an allen drei Abenden ausverkauften Bürgersaal aufgeführt. Damit konnte der Musikverein Degerfelden der Stadt Rheinfelden zum hundertjährigen Jubiläum mit drei phänomenalen Shows ein schönes Geschenk machen – und allen Rock- und Musikfans dazu.
Auch die anderen regelmäßigen Veranstaltungen des Musikvereins wie Waidbachg‘flüschder, Bachfest und Jahreskonzert wurden ab Ende 2022 wieder aktiviert und an den jeweiligen Terminen durchgeführt.
Ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Musikvereins Degerfelden war die Übergabe des von der Stadt Rheinfelden gebauten Kulturraums. Dieser Raum bietet die Möglichkeit, Kulturveranstaltungen aller Art in kleinerem Rahmen durchzuführen. Die Stadt- und Ortsverwaltung stellt den Raum unter anderem dem Musikverein als neues Probelokal zur Verfügung, womit für die Musiker ein mehrjähriges Provisorium endete. Im alten Probelokal mit Holzofen konnte der Verein aufgrund der großen Personalstärke seit längerem nicht mehr proben.
Anfang des Jahres 2023 nach der Generalversammlung begannen die Vorbereitungen und Planungen für das 100-jährige Jubiläum des Musikvereins Degerfelden im Jahre 2025. Der erste große Schritt war der Beschluss, zu diesem Jubiläum eine neue Uniform anzuschaffen. Die bisherige wurde 1998 angeschafft und hat nach 26 Jahren bis Ende 2024 ihren Dienst getan.
Ein wichtiges Projekt zur Gewinnung von musikalischem Nachwuchs war die Organisation und Durchführung des „1-1-1“-Projektes vom 8. bis 10. März 2024 im Kulturraum, der Fridolinhalle und dem Gemeindehaus. Den Rahmen bildet ein Orchester, ein Wochenende, ein Abschlusskonzert (daher „1-1-1“) ohne Kosten für Kinder oder Eltern und ohne Verpflichtung. Über 60 Kinder und Jugendliche hatten sich für dieses Projekt angemeldet, übten mit den Dirigenten und Ausbildern am Freitagabend, am Samstag den ganzen Tag und am Sonntagvormittag. Am Sonntagnachmittag fand dann das Abschlusskonzert statt. Vor voller Halle spielten die Kinder verschiedene Stücke und wurden mit tosendem Applaus und Standing Ovation für ihre Leistung bedacht.
Das Jubiläum 2025 wirft seine Schatten voraus – in 2024 sind die Planungen in vollem Gange und somit betreffen die meisten Sitzungen und Diskussionen die Durchführung des Jubiläumsjahres, das für alle – Vereinsmitglieder wie auch Besucher – etwas ganz Besonderes und mit mehreren Höhepunkten über das Jahr 2025 verteilt, gefeiert werden soll.